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„Employer Branding wird immer wichtiger für Unternehmen im Kampf gegen den Fachkräftemangel“

Es gibt selten Themen, die so umstritten wie der Fachkräftemangel sind. Der Mangel füllt unzählige Seiten in Magazinen, Arbeitgeberverbände zeigen sich ihrerseits besorgt und sogar die Politik will da mitmischen, um „Rahmenbedingungen" festzulegen (zwecks Zuwanderung). Das Ganze soll bitte nicht in Chaos ausarten. Zukunftsängste, Unwissenheit und vorausgesagte wirtschaftliche Schäden ergeben eine explosive Mischung und viel Zündstoff für Diskussionen.

Es gab Zeiten, in denen es reichte, eine Stellenanzeige zu schalten und nach einem überschaubaren Auswahlprozess hatte man bereits den geeigneten Mitarbeiter gefunden. Davon können heute viele Firmen nur träumen. Viele suchen händeringend - und zum Teil auch vergeblich – nach qualifizierten Mitarbeitern. Das Problem: Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt.

Als Gründe dafür kann man die einschneidenden Veränderungen der Wirtschaftsstruktur im Zuge der Globalisierung und die demografische Entwicklung der letzten Jahrzehnte nennen.
Fakt ist laut Hightech-Verband Bitkom fehlten aktuell in Deutschland 39 000 IT-Spezialisten. Ein Phänomen, das sich in den kommenden Jahren drastisch verstärken wird.

Das Ausmaß des Problems wird einem erst klar, wenn man die Zahlen dazu kennt: Nach Verbandangaben entgehen deutsche IT-Unternehmen jährlich rund 11 Milliarden Euro Umsatz durch Wissens- und Kompetenzverlust aufgrund des Fachkräftemangels. Die Lage ist angespannt und nicht erst seit gestern. Es ist also „höchste Eisenbahn" für Firmen zu handeln. Aber was können Unternehmen konkret tun, um zukünftig besser gegen solche Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt gewappnet zu sein und attraktiver für mögliche Bewerber zu sein?

Dazu weiß Bernd Gold, Geschäftsführer der market-mission GmbH, Personaldienstleister und Spezialist für das Recruiting von Fach- und Führungskräften sowie Arbeitnehmerüberlassung in der IT-Branche, Antwort.

Abgesehen von der Globalisierung und vom demografischen Wandel gibt es andere Faktoren für den aktuellen IT-Fachkräftemangel?

Der Fachkräftebedarf ist ebenfalls durch die Entstehung neuer Wirtschaftszweige und Technologien gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Informatikstudenten nach dem Platzen der Dotcom-Blase eingebrochen und es gibt keine ausreichende Verknüpfung zwischen Universitäten und Wirtschaft. Das Resultat davon sind die Fachkräfteengpässe im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Es ist eine zentrale Herausforderung für das politisch-ökonomische System.

Gibt es in Deutschland einen flächendeckenden IT-Fachkräftemangel?

Es sind keine einzelnen Regionen davon betroffen, das Problem ist mal mehr mal weniger stark ausgeprägt, das hängt oft mit der Attraktivität des jeweiligen Standorts zusammen, aber Fachkräftemangel kostet der deutschen Wirtschaft Milliarden. Geschätzte 8,5% Umsatzeinbußen in der Hightech-Branche gehen aufs Konto von IT-Personalengpässen, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Sie begleiten Firmen seit 20 Jahren während der Suche nach dem Idealkandidaten. Wieso ist es so schwer geworden qualifizierte IT-Mitarbeiter zu finden?

Den „richtigen" Mitarbeiter zu finden bedeutet die Anforderungen des Unternehmens oder des Kunden zu erfüllen. Ein wichtiges Thema ist die Verzahnung Bildung-Wirtschaft. Die gewünschte Qualifikation, z.B. eine bestimmte Ausbildung oder ein bestimmtes Hochschulstudium, aber auch bereits absolvierte Zertifizierungen im technischen Bereich oder gewünschte Sprachkenntnisse, die der Kandidat mitbringen muss, schränken bei der Suche den Bewerberkreis bereits ein. Eine weitere Einschränkung folgt durch nicht vorhandene Erfahrungen im IT-Umfeld z. B., Markt- und Produktkenntnisse. Die Bedeutung von Soft Skills ist gestiegen. Neben Fachwissen, Analyse- und Entscheidungsfähigkeit erwarten Unternehmen Kompetenzen wie eine selbstständige Arbeitsweise, Einsatzbereitschaft, sehr gute kommunikative Fähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit etc.

Nicht selten müssen IT-Unternehmen in Deutschland Aufträge mangels Fachkräfte ablehnen. Sie sind Experte auf dem Gebiet, wie helfen Sie Unternehmen geeignete Mitarbeiter zu finden?

Eine große Hilfe ist, dass jeder aus dem Recruiting-Team der market-mission selbst aktiv in der IT-Branche tätig war. Das ermöglicht Fachkenntnisse, Nähe zum Markt, ein natürlich gewachsenes Netzwerk und vor allen Dingen Vertrauen. Diese Bausteine helfen uns, gezielt bei der Suche vorzugehen.

Fachkräftemangel ist kein deutsches Phänomen. IT-Spezialisten sind mehr oder weniger überall in der Welt Mangelware, wie "lockt" man ausländische Fachkräfte nach Deutschland?Ein attraktives Verdienstniveau und die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote sind zwei gute Argumente.

Anscheinend läuft das Recruiting von ausländischen Kräften nicht so reibungslos. Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt erklärte neulich, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte immer noch nicht attraktiv genug sei...
Wenn zu wenige Fachkräfte vorhanden sind, dann muss man Anreize schaffen. Die demografische Entwicklung zwingt uns, über neue Wege nachzudenken.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Integration und Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. Aber auch die Mitarbeiterbindung: Unternehmen müssen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine stärkere Einbindung von älteren Arbeitnehmern und Arbeitslosen sorgen. Ein weiterer Faktor sind bessere Bildungschancen für alle ab frühester Kindheit.

Welche Ansätze/Tipps können aus Ihrer Sicht Unternehmen helfen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

„Employer Branding wird immer wichtiger für Unternehmen im Kampf gegen den Fachkräftemangel". Firmen müssen sich angesichts der jetzigen Lage auf dem Arbeitsmarkt etwas einfallen lassen, um sich gut zu positionieren und sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Das ist schon längst keine Herausforderung mehr, der sich nur kleine oder mittelständische Firmen stellen müssen, sondern es trifft genauso die „Großen". Selbst internationale Konzerne, haben es nicht immer leicht in Sachen Rekrutierung von qualifizierten Arbeitskräften. Sich da gut zu präsentieren ist die halbe Miete. Wir beraten unsere Kunden auch zu diesem Thema.

Viele große Unternehmen in Deutschland lagern ihre Softwareentwicklung ins Ausland aus. Ist IT-Outsourcing DIE Lösung für das Problem Fachkräftemangel?

Das Hauptziel des Outsourcings besteht in einer Reduktion der Unternehmenskosten. Darüber hinaus soll eine Fokussierung auf die zentrale Firmentätigkeit erreicht werden.
Die Gefahren liegen aber beispielsweise in der Abhängigkeit von der Fremdfirma. Die Steuerung und Kontrolle einer Fremdfirma ist weitaus komplexer und schwieriger als bei unternehmensinternen Prozessen. Auch ein Verlust von Wissen und Fertigkeiten durch die Auslagerung an Dritte kann langfristig die Verminderung von eigenem Know-how zur Folge haben.

Was halten Sie von den Vorwürfen, Outsourcing mache Arbeitsplätze in Deutschland kaputt?

Man kann meinen, dass durch Outsourcing negative Folgen für die Arbeitsplatzstabilität in Deutschland entstehen könnten, da durch die Verlagerung ins Ausland die Nachfrage nach Arbeitnehmern aus Deutschland sinkt. Doch Outsourcing reduziert andererseits auch die Kosten von Unternehmen und erhöht deren Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität.
Eine steigende Wettbewerbsfähigkeit könnte wiederum positiv auf die Arbeitsnachfrage auswirken und die Beschäftigungsstabilität erhöhen.

Thema Kosten: Viele Unternehmen wollen qualifizierte Leute aus dem Ausland für weniger Geld. Darf der Kostenpunkt an erster Stelle stehen?

An erster Stelle sollten die Qualifikation und die Eignung stehen. Es gibt in vielen Unternehmen festgelegte „Jobgrades", denen bestimmte Gehaltsbänder unterliegen, die für alle Mitarbeiter gelten – egal ob aus dem In- oder Ausland.

Die Kompetenz von market-mission basiert auf mehr als 20 Jahren Erfahrung in Personal-Beratung und -Recruiting und Kontakten in allen Bereichen der IT. Können Sie eine Prognose für die Zukunft bezüglich IT-Fachkräftemangel wagen?

An der aktuellen Lage wird sich leider erstmal nicht viel ändern.